Laufende Projekte

Das Institut für Kulturforschung Graubünden führt zahlreiche wissenschaftliche Forschungsprojekte nach universitären Standards durch. Sie werden zum einen von den festangestellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Instituts bearbeitet, zum anderen von temporär beauftragten Forscherinnen und Forschern. Umfang und Laufzeit der einzelnen Projekte können stark variieren.

Folgende Projekte befinden sich zur Zeit im Stadium der Bearbeitung:

Theatergeschichte der Drei Bünde. Bearbeiter: Dr. phil. Manfred Veraguth. Laufzeit: 2018—2021. Das Forschungsprojekt beleuchtet zum ersten Mal umfassend die vielfältige und formenreiche Theatergeschichte der Republik der Drei Bünde (16. bis 18. Jahrhundert). Ausgangspunkt ist die Untersuchung theaterhistorisch relevanter Phänomene, welche auf einer umfangreichen Archivrecherche beruht. Mit der theaterwissenschaftlichen Methode der Erforschung der Theatralitätsgefüge unterschiedlicher Zeiträume und dem Theaterbegriff der szenischen Vorgänge wird eine breite Erfassung verschiedenster Aufführungspraktiken sowie Theaterdiskurse möglich sein. Das Spektrum reicht dabei von theatralisierten Kulthandlungen über Machtinszenierungen und szenischem Brauchtum bis zu Theaterverboten und textbasierten Theateraufführungen. Diese Studie zur Theatergeschichte des dreisprachigen, paritätischen und ländlichen Gebiets der Drei Bünde wird auch Erkenntnisse zu Fragen des Kulturtransfers, der kulturellen Koexistenz und Identität liefern.

Plattform Mehrsprachigkeit GR – piattaforma plurilinguismo GR –  plattafurma plurilinguitad GR. Bearbeiter: Dr. Oscar Eckhardt (IKG/PHGR), Esther Krättli (PHGR), Dr. Vicenzo Todisco (PHGR). Laufzeit: 2018-2020. Die Pädagogische Hochschule Graubünden (PHGR) und das Institut für Kulturforschung Graubünden (IKG) möchten das Thema der Mehrsprachigkeit in Graubünden in seinen vielfältigen Dimensionen ausleuchten und mit den heute zur Verfügung stehenden digitalen Möglichkeiten mit einer Internet-Plattform zur Diskussion stellen. Das Projekt beabsichtigt, ein vertieftes Verständnis für die Mehrsprachigkeit in Graubünden zu wecken, deren Wurzeln aufzuzeigen und die Komplexität des Verhältnisses zwischen den Sprachgruppen und innerhalb der Sprachgruppen aufzuzeigen. Insbesondere sollen auch neuere Entwicklungen und Problematiken thematisiert werden.

Gion Antoni Derungs (1935-2012). Leben und Werk. Bearbeiterin: Dr.des. Laura Decurtins Rosset. Laufzeit: 2017-2020. Das Forschungsprojekt widmet sich der Lebens- und Werkbiographie des bündnerromanischen Komponisten Gion Antoni Derungs (aus Vella, Val Lumnezia). Als einer der wenigen Universalisten der Schweizer Musikkultur steht Derungs der Rang eines Pioniers und einer Identifikationsfigur zu. Stets schaute er sowohl zurück zum tradierten Liedgut (der Surselva), als auch zur Seite und nach vorne zu den aktuellsten Musikströmungen des 20. Jahrhunderts; er interessierte sich sowohl für das schlichte Volkslied wie für die experimentelle Musiksprache der Dodekaphonie, Aleatorik, minimal music oder der grafischen Notation. Sein Œuvre mit 191 Werken mit Opuszahl und hunderten von Werken ohne Opuszahl spricht von diesem breiten Spektrum an musikalischer Phantasie. Dafür erhielt er zahlreiche Kompositions- und Kulturpreise. Derungs war aber ebenso ein bedeutender Vermittler der bündnerromanischen Musikkultur über die Grenzen hinaus, und er hat dabei das Bild einer (hoch)musikalischen bündnerromanischen Sprachminderheit geprägt und miterschaffen.

Bilderwelten Safiental. Bearbeiter: Dagmar Steinemann und Marius Hagger. Laufzeit: 2017 bis 2019. Das Safiental ist eines der letzten unberührten und intakten Bergtäler der Schweiz, das auch heute noch primär durch die Landwirtschaft geprägt wird. Anhand von Interviews mit zehn Zeitzeugen aus dem Tal sollen die persönlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen in den letzten siebzig Jahren herausgearbeitet werden. Dies sind einerseits Meilensteine für die einheimische Bevölkerung wie die Elektrifizierung des Tals in den 50er Jahren, die Erschliessung durch ganzjährig befahrbare Tunnels und Autostrassen sowie die Entwicklung hin zu einem sanften Tourismus. Daneben hatten auch grössere soziale Umwälzungen und Bewegungen wie die Studentenunruhen, der Kalte Krieg, die Erfindung der Pille oder das Frauenstimmrecht ihre Auswirkungen auch im Safiental. Diese Lebenswelten werden ergänzt durch eine umfangreiche Sammlung historischer Fotografien und Postkarten.

Die Hafner Lötscher in St. Antönien. Zur bedeutenden Keramikproduktion des 19. Jahrhunderts in einer Walsersiedlung des Prättigaus. Projektleitung: Dr. Andreas Heege, Zug. Laufzeit: 2017 – 2019. Projektpartner: Rätisches Museum Chur, Archäologischer Dienst des Kantons Graubünden, Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich, Kulturgruppe St. Antönien/Museum im Postchäller. Graubünden ist kein Land der Hafner oder Töpfer! Das im Jahr 2000 erschienene Handbuch der Bündner Geschichte widmet dem Keramikhandwerk in Graubünden und der Familie Lötscher aus St. Antönien im Speziellen nur einen einzigen Satz. Und doch gab es in der Walsersiedlung St. Antönien im Prättigau im 19. Jahrhundert eine wichtige Produktion von Geschirrkeramik und Kachelöfen. Für Graubünden war die während vier Generationen betriebene Werkstatt Lötscher in der Neuzeit sicher der bedeutendste Hafnereibetrieb was Qualität, Funktionalität und Schönheit der Produkte anbelangt. Eine umfassend Bearbeitung und Publikation der Hafnerdynastie Lötscher steht bis heute aus. Über hundert Jahre nach dem Ende der Hafnereitradition wäre es dringend an der Zeit sich ans Werk zu machen. Das geplante Projekt will daher zwischen Sommer 2017 und Herbst 2018 erstmals die Geschichte der Hafner von St. Antönien auf der Basis historischer und musealer Quellen umfassend erarbeiten und zugleich einen Gesamtkatalog aller zuweisbaren Keramiken und Kachelöfen der vier Hafnergenerationen erstellen. Die kulturhistorischen Ergebnisse sollen in Buchform veröffentlicht und im Rahmen einer Sonderausstellung des Rätischen Museums Chur ab April 2019 präsentiert werden.Meldungen von Lötscher-Keramiken und Kachelöfen an: roth-heege@bluewin.ch, 079 702 7343. Die Meldungen werden vertraulich behandelt.

Code-Mixing im Tuatschin. Bearbeiterin: Dr. des. Claudia Cathomas. Laufzeit: 2017-2019. In Kooperation mit dem Universitären Forschungsschwerpunkt (UFSP) „Sprache und Raum“ der Universität Zürich. Die rätoromanische Varietät der Val Tujetsch ist, wie die anderen rätoromanischen Varietäten auch, durch einen intensiven und langjährigen Kontakt mit den deutschen Varietäten Schweizerdeutsch und Standarddeutsch geprägt. Das Deutsche ist längst Teil der romanischen Alltagssprache, wobei verschiedene Sprachmischmechanismen unterschiedliche soziolinguistische sowie psycholinguistische Funktionen zu erfüllen scheinen. In Zusammenarbeit mit dem SNF-Projekt „The morphosyntax agreement of Tuatschin“ und durch weitere Unterstützung des UFSP „Sprache und Raum“ der Universität Zürich werden in diesem Projekt verschiedene Formen und Motivationen von Code-Mixing während des Spracherwerbs und im Erwachsenenalter miteinander verglichen. Diese Analysen von generationenübergreifenden Sprachdaten sollen Einblicke in den Sprachwandelprozess des Rätoromanischen ermöglichen.

Gutsherren, Rebmeister und Tagelöhner – Diskurse, Krisen und Fördermassnahmen im Bündner Weinbau 1750–1950
Bearbeiter: Dr. phil. Martín Camenisch. Laufzeit 2016–2020. Das Forschungsprojekt konzentriert sich nicht wie die bisherigen Untersuchungen zur Bündner Weinbaugeschichte vorwiegend nur auf wirtschaftliches und meteorologisches Zahlenmaterial (Ernteergebnisse usw.), sondern insbesondere auch auf sozial- und arbeitsgeschichtliche Fragen. Dabei geht die Studie in einem ersten Schritt ausgewählten traditionellen Weinbaudynastien wie beispielsweise derjenigen der von Tscharner(Rebareale in Chur und in der Bündner Herrschaft) auf den Grund und versucht aufzuzeigen, wie die traditionellen Gutsherren organisiert waren und wie sie mit (temporär) angestellten Rebmeistern und Tagelöhnern operierten. Als traditionelle Weinbauakteure werden in diesem Zusammenhang auch die klerikalen Institutionen (Bistum Chur, verschiedene Klöster mit Weinbergen) untersucht. Für die Zeit der Drei Bünde interessiert ferner die Frage nach den Besitzverhältnissen von Familien, welche sowohl auf der Nord-, als auch der Südseite des Alpenkamms (Veltlin und Valchiavenna) Weinberge besassen (z. B. verschiedene Vertreter der Familien von Salis). Es wird mitunter versucht, Organisationsmechanismen sowie allfällige Arten des Wissenstransfers aufzuzeigen. Von Interesse ist sowohl zu dieser Thematik, als auch zu weiteren weinbezogenen Themenfeldern die Diskursanalyse innerhalb der landwirtschaftsfördernden Gesellschaften (18./19. Jh.). In einem weiteren Teil des Forschungsprojekts wird nach den Einflüssen verschiedener Innovationsschübe wie beispielsweise der Mechanisierung bzw. der damit einhergehenden Folgen für die Arbeiter gefragt. Zu ergründen ist ferner die Kooperation zwischen Weinbauvereinen und den allmählich institutionalisierten Zentralstellen (Weinbaukommissariat, Plantahof usw.). Zu diesem Themenfeld gehört auch der private und staatliche Umgang mit verschiedenen Anbau- oder Absatzkrisen (vgl. zur ersten Kategorie z. B. die Reblauskrise ab 1872, zur zweiten Gruppe der steigende Konkurrenzdruck durch externe Weinproduzenten). Zur Beantwortung dieser Fragen dienen neben den letztgenannten Zeugnissen schriftliches und kartographisches Quellenmaterial aus verschiedenen staatlichen und privaten Archiven.

Chesa sur l’En. Biografie eines Hauses. Bearbeiterin: Dr. Cordula Seger. Laufzeit: 2016–2018. Die Chesa sur l’En (ehemals Villa Planta), ein märchenhaft anmutender Châletbau, der 1883 vom Baumwollhändler Jacques Ambrosius von Planta in St. Moritz Bad als Feriensitz erbaut wurde, verkörpert ein Stück Tourismusgeschichte des Tals und verknüpft zahlreiche Handlungsstränge. Das Vorhaben, die Biografie eines Hauses zu schreiben, impliziert, dass die Geschichte eines Hauses weit über das Gebaute hinausweist. Über die Zeit wird es nicht allein von den verschiedenen Bewohnerinnen und Bewohnern und ihren Nutzungsansprüchen geprägt, sondern wirkt seinerseits auf die Innewohnenden zurück. Entsprechend geht es beim vorliegenden Projekt darum, die Chesa sur l’En in ihrer Vielschichtigkeit zu lesen und sie zugleich als Kristallisationspunkt des touristisch geprägten Oberengadins zur Darstellung zu bringen. – Die Buchpublikation ist für 2019 vorgesehen.

Alemannisch in der Rumantschia. Bearbeiter: Dr. Oscar Eckhardt. Laufzeit: 2016-2018. Der jahrhundertelange Sprachkontakt zwischen Rätoromanisch und Alemannisch hat in Graubünden zu verschiedenen Verschiebungen der Sprachgrenzen und Sprachräume zu Gunsten des Alemannischen geführt. Im ursprünglich romanischsprachigen Gebiet treten heute mannigfaltige Konstellationen auf, die von einer mehrheitlich romanischen Sprachkompetenz über eine perfekte bilinguale bis zu einer rein alemannischsprachigen Kompetenz reichen und zudem individuell sehr verschieden sein können. In Anlehnung an neuere Publikationen kann durchaus von der „Geburt neuer Dialekte“ im romanischsprachigen Teil Graubündens gesprochen werden. Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, die mannigfaltigen alemannischen Dialekte der Rumantschia festzuhalten, zu untersuchen und in der deutschbündnerischen Sprachlandschaft zu verorten.

Die zwei Leben des Johann Stoffel (1899-1970), dem Bündner Ein- und Ausbrecherkönig. Bearbeiter: Dr. Jürg Simonett. Laufzeit: 2015-2018. Johann Stoffel kommt in Vals als uneheliches Kind zur Welt. Bereits in jungen Jahren verübt er zahlreiche Einbrüche und gerät in einen Kreislauf von Diebstählen und Gefängnis. Es gelingt ihm mehrere Male, aus dem Churer „Sennhof“ zu entweichen. In den Jahren um 1930 wird er in Graubünden und der Ostschweiz immer mehr zur populären Figur, die die Polizei zum Narren hält und es bis zum Churer Fasnachtssujet schafft. Die Zeitungen berichten regelmässig und oft mit einem belustigten Unterton über seine „Streiche“, bei denen er nie Gewalt anwendet. Es entstehen Schnurren und veritable Sagen, bis hin zu Vergleichen mit Robin Hood. Nach dem Prozess von 1931 macht Stoffel im Gefängnis Regensberg eine Schneiderlehre. Nach der Freilassung baut er im Kanton Schaffhausen ein Schneideratelier auf. Ob die neue Umgebung von seiner so anderen Vergangenheit weiss, ist noch nicht geklärt. Die drei zentralen Forschungsfragen des Projekts kreisen um die Figur des „Social Bandit“, um Fahndung und Verwahrung sowie um Stoffels „erstes“ und „zweites“ Leben.

Das Lebenswerk des Bündner Architekten Rudolf Olgiati (1910-1995). Eine Sehschule der Architektur. Bearbeiterin: Christa Vogt, dipl. Architektin ETH SIA. Laufzeit: 2015-2018. In Zusammenarbeit mit dem Departement Architektur der ETH Zürich. Das architektonische Werk des Bündner Architekten Rudolf Olgiati (1910-1995) zeichnet sich durch eine einzigartige Mediation zwischen traditionellen regionalen Architekturen und einer – sich am Spätwerk Le Corbusiers orientierenden – Moderne aus. Es war Diskussionsgegenstand in der schweizerischen Architekturdebatte der 1970er- und 80er-Jahre. Olgiati hatte Gegenspieler, die ihn als „Regionalisten“ bezeichneten, aber auch eine Anhängerschaft, die sich mit seiner Architektursprache identifizierte. Die geplante Studie beabsichtigt, den von Vorurteilen und ideologischem Ballast verstellten Blick auf Olgiatis Arbeit neu auszurichten.

Donne d’oltre frontiera. Storie d’immigrazione femminile in Val Poschiavo e Val Bregaglia nel secondo dopoguerra. Ricercatrice: lic. phil. Francesca Nussio. Periodo: 2015-2018. L’immigrazione è un aspetto della storia contemporanea grigione quasi inesplorato; la ricerca vuole contribuire a colmare questa lacuna. L’ottica adottata è quella della storia di genere, l’approccio metodologico quello della storia orale. Al centro dello studio vi sono le testimonianze di donne provenienti dalla vicina Italia settentrionale, immigrate per lavoro in due valli italofone del sud dei Grigioni tra il 1945 e il 1970. Motivazioni, aspettative, strategie e percorsi delle migranti; reti di contatti e catene migratorie; articolazioni tra migrazione, famiglia, ruoli femminili tradizionali ed emancipazione; significato della frontiera nazionale e del concetto di «straniero» nel contesto di una migrazione a corta distanza tra regioni contigue e culturalmente simili: sono questi i principali temi che s’intendono studiare attraverso l’analisi delle storie di vita delle protagoniste. Una ricerca negli archivi pubblici e uno spoglio della stampa locale completano l’indagine.

Die erste Pfarrerin Graubündens. Bearbeiterin: lic. phil. Christina Caprez. Laufzeit: 2015-2018. Mit Unterstützung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds und der Evangelisch-Reformierten Landeskirche Graubünden. Am 13. September 1931 tat das Dorf Furna im bündnerischen Prättigau einen ungewöhnlichen Schritt: Es ernannte die 25-jährige Greti Caprez-Roffler zur Pfarrerin. Weil Frauen zum Pfarramt offiziell nicht zugelassen waren, löste die Wahl einen Skandal aus, der bis nach Deutschland Schlagzeilen machte. Die Synode konfiszierte das Pfarreivermögen der Berggemeinde, so dass die «illegale Pfarrerin» ihr Amt vorerst für Gotteslohn ausüben musste. Das Forschungsprojekt arbeitet die Lebensgeschichte von Caprez-Roffler mit den Mitteln der Archivrecherche und der Oral History auf. Es vermittelt ein differenziertes Bild der ersten Bündner (und auch Deutschschweizer) Pfarrerin als berufstätige Frau, Theologin und Mutter. Artikel in der „Südostschweiz“ vom 19. November 2015

Handlungsspielräume und Gestaltungsmöglichkeiten der Migrationsbevölkerung in Graubünden. Bearbeiterin: lic. phil. Flurina Graf. Laufzeit: 2015-2018. Mit Unterstützung der Kulturförderung des Kantons Graubünden. In der Schweiz ist die Migrationsforschung stark auf die urbanen Zentren konzentriert. In Erweiterung dazu fragt dieses Projekt nach den Verhältnissen in zwei unterschiedlichen Bündner Bergregionen: dem kleingewerblich-ländlich strukturierten Prättigau und dem touristisch geprägten Oberengadin. Dabei wird ein akteurszentrierter, ethnologischer Zugang gewählt. Im Mittelpunkt des Interesses stehen die Wahrnehmungen, Erfahrungen und Erwartungen der Migrationsbevölkerung: Welche Lebensstrategien verfolgt sie? Wie schätzt sie ihre eigenen Gestaltungsmöglichkeiten ein? In welcher Form partizipiert sie am gesellschaftlichen Leben?

Das Buch in Graubünden. Herkunft, Gebrauch, Funktion, Sammlung und Wirkung von Büchern, Buchsammlungen und Bibliotheken in den Drei Bünden. Bearbeiter: PD Dr. Jan-Andrea Bernhard; Dr. Silvio Margadant. Ein Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit der Kantonsbibliothek Graubünden. Laufzeit: 2013-2018. Das Projekt zielt darauf, die historischen Bibliotheken in den Drei Bünden von 1500-1815 erstmals systematisch zu erfassen, zu beschreiben und auszuwerten. Ein besonderes Augenmerk ist auf die geistige Ausrichtung der Buchsammlungen zu richten. Dies ermöglicht Rückschlüsse auf die geistesgeschichtliche Entwicklung in den Drei Bünden von der Reformation bis zum Ende des Ancien Régime. Gerade die Buchgeschichte offenbart – neben der Epistolographie und der Peregrinationsgeschichte – wesentliche Aspekte nicht nur des Wissenstransfers, sondern auch der geistesgeschichtlichen Entwicklung eines Gebietes. Mit der Projektarbeit verbunden sind verschiedene weitere Fragestellungen, die in diesem Zusammenhang partiell und fallbezogen auch untersucht werden sollen: Wie kamen die Bücher nach Bünden? Wie wurden die Bücher bzw. Buchsammlungen weitergegeben? Welche Funktion und welchen Einfluss hatten die Bücher bzw. die Bibliotheken auf die Bildung in den Talschaften Bündens?

Mineralquellen und Bäder in Graubünden, 15.-19. Jahrhundert. Bearbeiterin: Dr. Karin Fuchs. Laufzeit: 2012-2018. Das Projekt setzt sich zum Ziel, die typologische Breite und die historischen Nutzungsformen vorindustrieller öffentlicher Badeeinrichtungen in Graubünden zu erschliessen. Bislang gerieten vor allem die grösseren, damals überregional bekannten Bäder in den Blick der Forschung (Fideris, Pfäfers, etc), während die zahlreichen kleinen Bäder mit ihrem je lokalen Publikum kaum Beachtung fanden.

Rechtsquellen des Oberen Bundes. Die Gerichtsgemeinden am Hinterrhein. Bearbeiter: Dr. Adrian Collenberg. Laufzeit: 2011-2017. In Partnerschaft mit der Rechtsquellenstiftung des Schweizerischen Juristenvereins und mit grosszügiger Unterstützung der Kulturförderung des Kantons Graubünden. Ziel des Editionsprojekts ist es, die Rechtsquellen der Gerichtsgemeinden am Hinterrhein in der Zeitspanne von ca. 1400 bis 1798 nach bewährtem Prinzip aufzuarbeiten. Es werden hauptsächlich unbekannte Schriftstücke in deutscher, rätoromanischer und lateinischer Sprache auf juristischer Mikroebene ausgewertet und wissenschaftlich aufbereitet. Neben den frühesten urkundlichen Belegen zum landwirtschaftlichen Alltag sollen Quellen zum Handelsverkehr ausgebreitet werden und mit den rechtsrelevanten Schriftzeugnissen aus der gerichtsgemeindlichen Praxis kombiniert werden. Diese wichtigen Quellen zur Geschichte des Kantons Graubünden respektive des ehemaligen Oberen Bundes werden einer kulturell interessierten Bevölkerung sowie wissenschaftlichen Fachkreisen im In- und Ausland zuverlässig und leicht zugänglich gemacht.

Wie die Bündnerinnen und Bündner reden. Ein multilinguales Projekt mit Audio-CD. Bearbeiter: Dr. Oscar Eckhardt. Laufzeit der Abschlussarbeiten: 2011-2018. Ein Kooperationsprojekt des ikg, der Lia Rumantscha, der Pro Grigioni Italiano und der Walservereinigung Graubünden, unterstützt vom Kanton Graubünden. Im Jahr 2000 startete ein Projekt, das es sich zum Ziel setzte, die Sprachen des Kantons Graubünden aus einer Art Vogelschau darzustellen und das bestehende sprachwissenschaftliche Wissen auf allgemeinverständliche Weise aufzubereiten. Aufgrund gesundheitlicher Probleme einer leitenden Bearbeiterin mussten die Forschungsarbeiten abgebrochen werden und lagen mehrere Jahre brach. Nun bringt Oscar Eckhardt das Projekt im Rahmen seiner Anstellung am ikg zu Ende.

Humanismus, volkstümliche Wissenskultur und frühe Alpenforschung. Die Raetiae alpestris topographica descriptio (1573) des Durich Chiampel. Kommentierte kritische Edition und Übersetzung. Bearbeiter: Dr. Florian Hitz. Projektkoordination: Dr. Georg Jäger. Laufzeit: 2010-2018. Das Projekt wird vom Schweizerischen Nationalfonds mitfinanziert. Die auf lateinisch verfasste Landesbeschreibung des alpinen Rätien von Durich Chiampel oder Ulricus Campellus, ein Referenztext der Bündner Landesgeschichte und der historischen Alpenforschung, soll nach wissenschaftlichen Kriterien neu herausgegeben werden. Der Text wird erstmals ungekürzt nach der Originalhandschrift ediert, mit durchgehendem Kommentar versehen und integral übersetzt.

Edition Bündner Komponisten. Bearbeitung: Cornelia Meier, Luzius Hassler, Dr. Robert Grossmann, Stephan Thomas. Laufzeit: seit 2009. In der ersten Projektphase sind bislang unveröffentliche Werke von vier Bündner Komponisten ediert worden (Armon Cantieni, Robert Cantieni, Meinrad Schütter, Oreste Zanetti). Weitere sollen folgen (Tumasch Dolf, Luzi Bergamin). Ziel ist es, die handschriftlichen Notenblätter so aufzuarbeiten, dass sie von Schulen, Chören und Formationen aller Art genutzt werden können. Auch die Biografien der Komponisten werden aufgearbeitet. Die Edition erfolgt über ein Internetportal (www.buendnerkomponisten.ch). Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Graubünden durchgeführt.

Abgeschlossene Projekte

Die folgenden Projekt sind abgeschlossen. Entsprechende Publikationen sind in Vorbereitung. Abgeschlossene Projekte, zu denen bereits Publikationen vorliegen, sind unter Publikationen des Instituts zu finden.

Sogn Murezi. Eine früh- bis spätmittelalterliche Kirchenanlage in Tomils. Bearbeiterin: lic. phil. Ursina Jecklin-Tischhauser. Dissertationsprojekt an der Universität Zürich bei PD Dr. Adriano Boschetti. Laufzeit: 2013-2015. In Kooperation mit dem Archäologischen Dienst Graubünden. Mit der Entdeckung der mehrphasigen Kirchenanlage auf der Flur Sogn Murezi in Tumegl/Tomils im Jahre 1994 ist ein bisher unbekanntes Kapitel zur Churer Bistumsgeschichte und frühmittelalterlichen Monumentenarchäologie des Alpenraums aufgeschlagen worden. Mittlerweile kann nachgewiesen werden, dass zwischen 650 und 950 n. Chr. in unmittelbarer Nähe der Kirche auch Wohn- und Wirtschaftsgebäude bestanden hatten. Vieles deutet auf die damalige Existenz einer geistlichen Gemeinschaft hin. Der aussergewöhnlich gute Erhaltungszustand der Anlage (vollständige Kanalheizung mit nachgewiesenen Resten von Wandkaminen in der Kirche, dreistufige Priesterbank mit Thronsitz, grosse einviertelrunde Feuerstellen in den Wohn- und Wirtschaftsräumen, massive Mörtelböden, gemauerte Sitzbänke, Negative von Wandregalen, Backöfen) gibt ferner wichtige Erkenntnisse zur Baugeschichte, Bautechnik und (liturgischen) Nutzung der Räumlichkeiten. Das Projekt setzt sich zum Ziel, die kulturhistorische Bedeutung des Gebäudeensembles zu erforschen und zu erfassen.
Die Dissertation wurde 2018 eingereicht und wird voraussichtlich 2019 als gemeinsame Publikation des Instituts für Kulturforschung und des Archäologischen Dienstes Graubünden in der Reihe «Archäologie Graubünden» erscheinen.

Geschichte der rätoromanischen Vokalmusik. Bearbeiterin: M.A. Laura Decurtins Rosset. Dissertationsprojekt an der Universität Zürich bei Prof. Hans-Joachim Hinrichsen. Laufzeit: 2014-2017. Das Projekt wird vom ikg und vom Forschungskredit candoc der Universität Zürich finanziert. Es untersucht die rätoromanische Musik von den Anfängen bis in die Gegenwart mit dem Ziel, eine musikhistorische Grundlagenarbeit zu leisten, die den Wechselwirkungen zwischen der Musikgeschichte und ihrem sprach- und kulturhistorischen Kontext nachgeht. Die Frage nach der Funktionalität der rätoromanischen Musik in ihrem historischen und soziokulturellen Wandel sowie nach einer rätoromanischen „Nationalität“ in der Musik gehört zu den Schwerpunkten der Untersuchung. Nebst werkimmanenten werden auch musiksoziologische Aspekte betrachtet, die im Bereich des Volksliedes, der (geistlichen) Schulmusik, der Chorkultur wie auch in der modernen Populärmusik zu tragen kommen: Wie die „Seele des Volkes“ durch die Jahrhunderte in der Musica rumantscha ihren spezifischen Ausdruck findet, ist ein zentrales Moment einer rätoromanischen Musikgeschichtsschreibung.
Eine Publikation zum Projekt ist für 2019 vorgesehen.

Zwischen-Orte in Graubünden. Die neue Inszenierung der Alpen. Bearbeiter: Dr. Thomas Barfuss. Laufzeit: 2015-2017. Das Projekt beschäftigt sich mit der veränderten Wahrnehmung und Inszenierung des alpinen Raums im Kontext von Beschleunigung, Kommerzialisierung und Standardisierung. Erforscht und dokumentiert werden Raststätten, Zollfrei-Zonen, Parkhäuser, Skigebiete, Durchgangsheime etc. Sichtbar werden komplexe Knotenpunkte, an denen Globalisierung und lokale Inszenierung, Standort-Politik und kulturelle Identität, Geschichte und Werbung zusammenlaufen.
Buchpräsentation „Authentische Kulissen. Graubünden und die Inszenierung der Alpen“ am 5. Juni 2018 in der Werkstatt in Chur.

Bergamo e le Tre Leghe Grigie. Rapporti politici, economici e religiosi lunga una frontiera dimenticata, 1500-1620. Ricercatore: Dr. des. Federico Zuliani. Periodo: 2013-2015. Lo studio vuole analizzare i rapporti tra le Tre Leghe Grigie e Bergamo nella prima età moderna, quando, grazie al nuovo controllo grigione su Valtellina, Valchiavenna e Bormio, la città di Bergamo (sottoposta a Venezia ma dove il patriziato locale godeva ancora di ampia autonomia) venne a trovarsi su una linea di frontiera sino a quel momento sconosciuta. Una linea di frontiera che, nel giro di pochi anni, dall’introduzione della Riforma, venne addirittura a segnare il confine tra Europa del Nord e del Sud, tra Europa Protestante ed Europa Cattolica. Rapporti antichi e profondi tra Bergamo e i Grigioni (oltre che con i territori di lingua italiana a questi soggetti) esistevano però da molto tempo; lo studio vuole investigare così se tali rapporti mutarono, e in che modo, o se si mantennero stabili, dal triplice punto di vista dei legami economici, politici e religiosi tra le due aree geografiche.

Architekturwettbewerbe in Graubünden, 1900–1925. Bearbeiter: Dr. Leza Dosch. Laufzeit: 2012-2015. Mit Unterstützung des Bündner Heimatschutzes. Beim Projekt handelt es sich um eine inhaltliche Neuausrichtung des unter dem Titel „Regionale Romantik. Architektur in Graubünden 1900-1925“ initiierten Forschungsvorhabens. Der neue Aufbau der Arbeit geht von zwei Hauptteilen aus. In einem Katalogteil sind die verschiedenen Wettbewerbe und wettbe­werbs­artigen Verfahren möglichst umfassend aufzulisten sowie je nach Anzahl ganz oder in Auswahl zu dokumentieren und vor­zustellen. Im theo­re­tischen Teil sollen die Ergeb­nis­se des Katalogs ana­lysiert und archi­tek­tur­ge­schichtlich ein­geordnet werden. Zu befragen ist der Architekturwettbewerb überdies in seiner Rolle als Instrument zur Formulierung gestalterischer und ge­sell­schaftlicher Ansprüche.
Das Buch zum Projekt erscheint voraussichtlich im Frühling 2019 bei Scheidegger&Spiess.

Seminar Reichenau. Bearbeiter: Dr. Werner Ort. Laufzeit: 2013-2015. Das Seminar Reichenau war im ausgehenden 18. Jahrhundert ein in der Schweiz einzigartiges Schulinternat, in dem Knaben und Jünglinge nach damals modernsten Methoden unterrichtet, für die Universität oder einen bürgerlichen Beruf vorbereitet wurden und eine republikanische Erziehung genossen. Der spätere Volksschriftsteller und Volkspädagoge Heinrich Zschokke war seit Herbst 1796 als Lehrer und seit Anfang 1797 auch als Direktor und Miteigentümer tätig. Die Studie stellt die kurze Existenz des Seminars (1792-1998) dar und verortet seine pädagogischen Konzepte im Zeitgeist der Aufklärung.
Das Buch zum Projekt erscheint im Herbst 2018 im Verlag Hier+Jetzt.

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