Andreas Rudolf von Planta (1819–1889) steht auf fast schon symbolische Weise für die wirtschaftliche Entwicklung Graubündens im 19. Jahrhundert. So engagierte er sich stark für den Ausbau des Verkehrs- und Kommunikationswesens, und dies keineswegs nur im Interesse seiner eigenen Unternehmungen, sondern zum Vorteil der ganzen Bündner Volkswirtschaft. Seine vielfältigen, mindestens so gemeinnützigen wie selbstinteressierten Aktivitäten sind im Herbst 2019 an einer Tagung in Samedan untersucht worden. Zwei der Tagungsbeiträge werden nun im neuen Monatsblatt publiziert. Andràs Bodoky schildert des Aristokraten nimmermüde Bemühungen um die Förderung der bündnerischen Bergland- und -forstwirtschaft. Karin Fuchs zeigt auf, wie A. R. von Planta sich am Bau der grossen Kurhäuser von St. Moritz und Tarasp beteiligte – und wie er damit dem Heilbädertourismus im Ober- und Unterengadin zum entscheidenden Aufschwung verhalf.
Zur Entwicklung des alpinen Tourismus gehörten aber nicht nur konkrete Gesundheits-, Sport- und Übernachtungsangebote, sondern als ganz grundlegende Voraussetzung das verbreitete Wissen, dass die Alpennatur gesundheitsfördernde Qualitäten besitze. Hinsichtlich des Wassers entspricht das ja einer mehrtausendjährigen Erfahrung – wie gerade die schon in der Bronzezeit genutzten St. Moritzer Mineralquellen zeigen. Erst seit einigen hundert Jahren jedoch besteht eine entsprechende Vorstellung auch hinsichtlich der Luft in den Bergen. «Mythos Alpenluft» ist der Essay betitelt, den Michael D. Schmid zur aktuellen BM-Ausgabe beigesteuert hat.
In der Rubrik «Baukultur» präsentiert Ludmila Seifert eine aktuelle Aktion des Bündner Heimatschutzes: «52 beste Bauten – Baukultur Graubünden 1950–2000». Die Sensibilisierungskampagne verweist nach- und eindrücklich auf die Qualitäten und damit auf die Schutzwürdigkeit des baukulturellen Erbes der jüngeren und jüngsten Vergangenheit. Leider verhält es sich so, dass dieses Erbe des Schutzes auch dringend bedarf. Die neue Heimatschutz-Kampagne ist nicht nur augenöffnend und informativ, sondern auch geschickt und spannend aufgezogen.
Buchbesprechungen zu neueren kulturwissenschaftlichen Publikationen runden die vorliegende Ausgabe des Bündner Monatsblatts ab.

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