14. September 2019: Ein strahlender Herbsttag tauchte die Chesa Planta in Samedan in warme Töne, passend zum Motto «Farben» der Europäischen Tage des Denkmals, die an diesem Wochenende begangen wurden. Im Mittelpunkt der Tagung, die das Institut für Kulturforschung gemeinsam mit der Fundaziun de Planta Samedan im Engadin durchführte, stand der Politiker und Unternehmer Andreas Rudolf von Planta (1819–1889). Dessen Wirken war nicht nur Thema der interessanten Vorträge, sondern hat in Haus und Garten sicht- und erlebbare Spuren hinterlassen, die auf den angebotenen Führungen durch Bibliothek, Wohnmuseum und Gartenpavillon erkundet werden konnten. Das zahlreich erschienene Publikum wurde von Chasper Pult, Präsident der Fundaziun de Planta, beredt durch den Tag geführt und tauchte Dank der musikalischen Darbietungen von Johanna Bartz und Robert Grossmann auch klanglich in die Geschichte der von Plantas ein.

Die Chesa Planta Samedan am Plazzet von Samedan war das Geburts- und Wohnhaus des bedeutenden Wirtschaftsmannes und profilierten Politikers. Andreas Rudolf von Planta hielt sich allerdings längst nicht immer zuhause auf, sondern war sehr oft in geschäftlichen und politischen Angelegenheiten unterwegs. Seine Lebensgeschichte ist auf mannigfache Weise mit der Entwicklung von Gesellschaft, Wirtschaft und Staat im Graubünden des 19. Jahrhunderts verknüpft.
Einen Abriss dieses tätigen Lebens bot der Beitrag von Andràs Bodoky (Vizepräsident der Fundaziun de Planta). Dabei würdigte der Referent vorrangig diejenigen Leistungen Andreas Rudolf von Plantas, die der gesamten Bündner Volkswirtschaft zugutekamen – zumal seine Förderung der Berglandwirtschaft durch Verbesserung der Viehzucht und Hebung des Alpwesens. Mit Hingabe setzte sich der Aristokrat für die Interessen der regionalen bäuerlichen Bevölkerung ein.
Plantas erste und bisher gründlichste Biografie erschien 1893; sie stammt aus der Feder seines Cousins, des Ständerats Peter Conradin von Planta (1815–1902). Die beiden waren persönlich befreundet und politische Gesinnungsgenossen. Florian Hitz referierte, welche Statur der Nationalrat Andreas Rudolf von Planta in der vetterlichen Darstellung annimmt: als schweizerischer Staatsmann, der in der Debatte um die Bundesverfassungsrevision von 1874 eine wichtige Rolle spielte, aber auch als kämpferischer Bündner Verkehrspolitiker, der sich einerseits für eine Eisenbahn-Transitlinie («Ostalpenbahn») durch seinen Heimatkanton, andererseits für dessen Erschliessung durch ein Netz von «Kommunikationsstrassen» engagierte. Wer Lust hat, sich selbst in die Biografie zu vertiefen, schlage nach unter:

https://archive.org/details/andrrudvplantaei00plan/page/n6.

Ein besonders eifrig gepflegtes Interessen- und Investitionsgebiet stellten für Planta die Heilbäder des Engadins und Veltlins dar. Karin Fuchs schilderte in ihrem Tagungsbeitrag, wie Planta sich am Bau der grossen Kurhäuser von St. Moritz, Tarasp und Bormio beteiligte. Der Aufschwung des Bädertourismus schuf die Grundlage der «Fremdenindustrie» in Graubünden und stand damit letztlich dem heutigen Tourismuskanton zu Gevatter.
Andreas Rudolf von Plantas Rolle als Bauherr bildete das Thema von Leza Doschs abschliessendem Beitrag. Angesichts seiner zahlreichen Bauprojekte erstaunt es schon gar nicht mehr, dass Planta – soweit bekannt – auch der Erste war, der in Graubünden einen Architekturwettbewerb veranstaltete. Es ging dabei um den Bau eines Gartenpavillons für das eigene Samedner Herrenhaus. Das Resultat dieses Wettbewerbs ist die noch heute im parkartigen Garten der Chesa Planta zu bestaunende schmucke Kleinbaute im «Schweizer Holzbaustil».

Zum Bild: Besichtigung des Büros von Andreas Rudolf von Planta. Dieses liess der Politiker 1869 in der Chesa Planta einbauen.

 

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