Zum Auftakt der druckfrischen Ausgabe 3/2020 fragt Werner Bätzing in der Rubrik «Baukultur» nach der Bedeutung der zeitgenössischen Architektur für die Regionen und die Regionalentwicklung im Alpenraum. Die These des bekannten Kulturgeographen: Seit etwa 1980 beziehen sich Architekturprojekte in den Alpen ganz bewusst auf die jeweilige Region. Sie tun dies jedoch auf sehr unterschiedliche Weise: mit einer monofunktionalen oder aber einer multifunktionalen Regionalität. Während erstere mimetisch und museal bleibt, ist letztere ganzheitlich und zuträglich in sozialer, wirtschaftlicher wie kultureller Hinsicht.

Die drei Beiträge in der Rubrik «Geschichte» widmen sich alle der Vergangenheit der Stadt Chur. So geht Thomas Bruggmann der Wohnsituation und den Einkommensverhältnissen des Johannes Comander nach. Wie bescheiden oder komfortabel gestaltete sich die Lage des Churer Reformators von den 1520er bis in die 1550er Jahre?
Kindsmord oder doch nur unzüchtiger Lebenswandel? Ursula Jecklin präsentiert zwei Churer Kriminalfälle aus den Jahren 1756 und 1765. Aussereheliche Geburten führten zu Strafuntersuchungen, vor allem natürlich dann, wenn der Verdacht auf (versuchten) Kindsmord bestand. Konnte der Kindsvater nicht ausfindig gemacht und zur Heirat gezwungen werden, wurde die ledige Mutter auf harte und demütigende Weise bestraft.
Auch der Beitrag von Ulf Wendler geht einer sozialgeschichtlichen Frage nach. Er schildert, wie der lange Weg zur Pensionskasse nach Überwindung vieler Hindernisse 1929 zur Gründung einer Sozialversicherung führte, welche der drohenden Altersarmut städtischer Angestellter in Chur abhalf.

Zwei Rezensionen aktueller historischer Publikationen runden diese Monatsblatt-Ausgabe ab.

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